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Was stimmt nicht mit unserem Geld?

Foto von Mehr Demokratie e.V. | Lizenz: CC BY-SA 2.0

Wussten Sie, dass…

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... 45 Deutsche so viel besitzen wie die gesamte ärmere Hälfte der Bevölkerung?

Laut einem Bericht des Manager Magazin haben die 45 reichsten Personen in Deutschland genauso viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung. Das sind über 40 Millionen Menschen.

Eine Oberschicht von 10% aller Deutschen besitzt ca. 64% allen Vermögens. In anderen Ländern (z. B.  USA) ist die Verteilung noch ungerechter.

... Geschäftsbanken “Geld aus dem Nichts” erschaffen können?

Geschäftsbanken können nahezu unbegrenzt durch elektronische Buchungsvorgänge Geld als Kredit quasi aus dem Nichts schöpfen. Lediglich 1-3 % der Summe muss die Bank als Sicherheit bei der Zentralbank  hinterlegen. Die Bank verdient an den Zinsen, die der Kreditnehmer bezahlen muss.

… die Finanzwirtschaft durch das Geldschöpfungsprivileg und kaum reguliertes Spekulationsgebaren weitgehend unabhängig von der Realwirtschaft agiert?

Solange dem Einkauf ein (erworbener) Vermögenswert gegenüber steht, kann die Bank mit ihrem per Knopfdruck erzeugten Giralgeld beliebige Güter kaufen (s. Video der Bundesbank bei 2:10 min). Dazu gehören außer Immobilien oder anderen Wertgegenständen auch zum Teil spekulative Wertpapiere (Aktien, Anleihen, Optionen etc.).

Durch die unkontrollierte Geldschöpfung der Finanzinstitute und der Wettbüromentalität vieler Investment-Banker wurde in den letzten Jahrzehnten eine riesige Finanzblase geschaffen, die nicht mehr durch reale Werte gedeckt ist. An den Finanzmärkten wird heute mehr als zehnmal so viel Geld gehandelt als das Weltbruttosozialprodukt beträgt – Tendenz steigend.

... unsere Steuern nicht dem Leistungsprinzip folgen, sondern Reichtum durch Familienvermögen favorisieren?

Arbeitseinkommen unterliegen grundsätzlich der Einkommensteuerpflicht. Bei der Erbschaftssteuer gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Steuerpflicht zu reduzieren oder vollständig zu unterwandern. Das Bundesverfassungsgericht hat die deutsche Erbschaftssteuer in ihrer jeweils aktuellen Ausgestaltung seit 2006 mehrfach als verfassungswidrig eingestuft. In Österreich gibt es erst gar keine Erbschaftssteuer. Auch eine Vermögenssteuer ist in beiden Ländern aktuell nicht vorgesehen. 

Große (vererbte) Vermögen sind daher geschützt und vergrößern sich  quasi von selbst, da den Inhabenden nicht-öffentliche Finanznetzwerke und in deren Kontext wesentlich ertragreichere Anlageformen offen stehen als Menschen mit geringem Vermögen. 

Letztlich trägt unser Steuersystem immer noch Züge des im Mittelalter vorherrschenden  Feudalismus im Sinne einer Zwei-Klassen-Gesellschaft.

... unser Geldsystem darauf aufbaut, dass die Wirtschaft ständig wächst - ein Ansatz, der in der Natur zum Zusammenbruch führt?

Unser Wirtschafts- und Geldsystem ist auf kontinuierliches Wachstum ausgerichtet. In der Natur führt grenzenlose Vermehrung immer zu einem fatalen Ende. Bekannte Beispiele sind schwarze Löcher im Universum oder auch Krebs – eine auch in unserer Gesellschaft immer häufiger auftretende Krankheit.

…und welche Folgen
das haben kann?

(unused - invisible)
Die permanente Umverteilung von “unten” nach “oben” führt zu einer (weiteren) Spaltung der Gesellschaft .

Ein Sprichwort sagt, Geld arbeitet für reiche Leute. Geld selbst kann jedoch nicht arbeiten. Es ist die arbeitende Bevölkerung, die durch Aufschläge in den Preisen für Produkte und Dienstleistungen für Finanzierungskosten, Gehälter der Finanzindustrie und Profite der Investoren aufkommt – und damit zum Teil im Dienste der Finanzinstitute steht. Etwa 10% der Bevölkerung streichen letztlich die Gewinne ein, alle anderen zahlen drauf.

Die immer extremer werdende Ungleichheit erhöht den Druck auf die Bevölkerung und begünstigt populistische und rechtsradikale Strömungen, die zur Spaltung der Gesellschaft beitragen.

Einzelne Unternehmen der Finanzwirtschaft haben genug Macht, ganze Staaten in Bedrängnis zu bringen.

147 globale Konzerne, davon drei Viertel Finanzunternehmen, kontrollieren die Weltwirtschaft. Globale Finanzunternehmen wie z.B. Black Rock agieren losgelöst von Nationalstaaten und sind in der Lage, die Währungen ganzer Länder anzugreifen und Finanzkrisen auszulösen. Ein Paradebeispiel dafür ist der von Spekulantenlegende George Soros initiierte Angriff auf das britische Pfund 1992, der den Kurs des britischen Pfunds auf den Wert vor 1985 zurückwarf. Dadurch entsteht ein Machtpotential, das nicht durch internationale Organisationen kontrolliert wird.

Der Staat und damit die Bürger tragen die Lasten für Fehlspekulationen “systemrelevanter” Banken.

Um Spekulationen größeren Umfangs durchführen zu können, verschulden sich auch sehr große Geschäftsbanken bei anderen Banken. Gewinne dieser Spekulationen verbleiben bei der spekulierenden Bank. Ist die Bank wichtig genug (“systemrelevant”) und der Verlust hinreichend groß, so springt der Staat ein, um die Bank vor der Pleite und das Bankensystem vor einem möglichen Domino-Effekt zu retten („too big to fail“ – zu groß um aufgegeben, bzw. nicht gerettet zu werden). So führte bei der Finanzkrise 2008 das Platzen der amerikanischen Immobilienblase zum Konkurs der Investmentbank Lemann Brothers und in Folge zur Schieflage der Hypo Real Estate. Die Bundesrepublik legte einen Banken-Rettungsschirm in Höhe von 500 Mrd. € auf – mehr als die Gesundheitsleistungen für alle Bürger:innen Deutschlands in einem Jahr. Eine Finanzlast, die letztlich von den deutschen Bürger:innen über Jahrzehnte hinweg erbracht werden muss.

Gemeinwohlinteressen spielen bei den strategischen Entscheidungen der meisten Unternehmen keine nennenswerte Rolle.

Unternehmen werden an den Finanzmärkten entsprechend ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit (d. h. dem tatsächlichen oder potentiellen Unternehmensgewinn) bewertet.

Die meisten Unternehmen treffen daher ihre Entscheidungen nahezu ausschließlich nach finanziellen Kriterien. Das Gemeinwohl und das Wohl der Welt, in der wir leben, sind den Gewinn-Interessen der Investoren nachgeordnet. Das trifft insbesondere für Finanzunternehmen zu (Alexander Dibelius, ehemaliger Deutschlandchef der Investmentbank Goldman Sachs: “Banken, besonders private und börsennotierte Institute, haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern”).

Auch unberührte Natur selbst soll nun zum Spekulationsobjekt werden.

Über sogenannte ”Natural Asset Companies” greift die Wall Street nach der Kontrolle über unsere Umwelt und vermarktet sie als “Ökosystemleistungen” – was letztlich zu ihrer Zerstörung führen dürfte.

Auch ehemals gemeinnützig organisierte Bereiche unseres Lebens (wie z. B. das Gesundheitssystem, das Pensionssystem und die Wasser- und Energieversorgung) sind im Visier der nach schnellen und hohen Renditen suchenden Finanzmärkte.

Unglaublich? Leider wahr.

Die vermeintliche Komplexität des Themas (das vielleicht deutlich einfacher ist, als man glauben mag), die zahllosen Tabus um das Thema Geld („Über Geld spricht man nicht.“) und die Machtfülle der Finanzwelt wirken erdrückend. Doch selbst die Akteure der Finanzwelt geraten durch die immer heftigeren Abwärtsspiralen, die Wachstumsperioden naturgemäß folgen müssen, mehr und mehr in ernste Gefahr. Dennoch erscheinen uns die seit Jahrhunderten gewachsenen Gesetze des „Systems“ als unveränderbar, wie in Stein gemeißelt.

Wir meinen, dass das nicht so bleiben muss und darf.
Denn es gibt Alternativen.

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